COMSOL wurde 1986 gegründet, um Ingenieuren, Forschern und Innovatoren dabei zu helfen, komplexe Designherausforderungen zu meistern und ihre besten Ideen mithilfe von Simulationen zum Leben zu erwecken. Auch heute, 40 Jahre später, ist dieses Ziel unverändert geblieben. Anlässlich dieses wichtigen Jubiläums möchten wir unseren Werdegang beleuchten und zeigen, wie sich die Software COMSOL Multiphysics® weiterentwickelt hat.
Die Anfänge von COMSOL und die Evolution der Software
COMSOL AB wurde in Stockholm von Svante Littmarck und Farhad Saeidi gegründet. Das Unternehmen war ursprünglich als Vertriebspartner für die Software MATLAB® in allen nordischen Ländern tätig, entwickelte sich jedoch 1998 mit der Veröffentlichung einer eigenen Software zu einem eigenständigen Unternehmen.
„Svante und Farhad waren Doktoranden, die davon überzeugt waren, dass Ingenieure und Wissenschaftler in Zukunft Software zur mathematischen Modellierung brauchen würden“, sagt Bernt Nilsson, Präsident von COMSOL, Inc. „Sie behielten Recht, und bauten eine Vertriebsorganisation in den nordischen Ländern auf und brachten anschließend das erste Multiphysik-Simulationssoftwarepaket des Unternehmens auf den Markt.“
Ein CFD-Modell aus der ersten Version von COMSOL Multiphysics®.
COMSOL Multiphysics® ist eine physikbasierte Modellierungs- und Simulationsplattform, mit der sich das Verhalten von Geräten, Prozessen und Systemen unter realen Bedingungen vorhersagen lässt. Sie vereint mehrere miteinander wechselwirkende physikalische Phänomene in einem einzigen Modell und löst die zugrunde liegenden mathematischen Gleichungen in einer einheitlichen Modellierungsumgebung. Fortschritte bei numerischen Methoden, wie beispielsweise der Finite-Elemente-Methode, haben es ermöglicht, diese Techniken auf komplexe ingenieurwissenschaftliche Probleme anzuwenden, die realistische Geometrien, Materialien und physikalische Effekte beinhalten.
„Diese Lösungen sind nicht allein durch Software zustande gekommen“, sagt Svante Littmarck, CEO der COMSOL Group. „Das Moore’sche Gesetz bescherte uns eine rasant steigende Rechenleistung, und gleichzeitig haben sich numerische Algorithmen erheblich verbessert. Zusammen bedeutete dies, dass viele zuvor unlösbare Probleme nun gelöst werden konnten. Sobald Ergebnisse wie Spannungen, Temperaturen, Strömungen, elektromagnetische Felder und chemische Konzentrationen sichtbar wurden, wurde die Simulation nicht nur zu einem Berechnungtool, sondern zu einem Werkzeug für die Entwicklung.”
2000 bis 2009: Unabhängigkeit und Wachstum
Mit der Unabhängigkeit gingen Wachstum und Wandel einher. COMSOL eröffnete Ende der 90er Jahre bzw. Anfang der 2000er Jahre seine ersten weiteren Niederlassungen in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich. Im Laufe der 2000er Jahre kamen weitere Standorte in ganz Europa hinzu, darunter Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz.
In diesem Zeitraum wurden die Versionen 1.2 bis 3.5a eingeführt. Unsere Entwickler haben außerdem einige der bei unseren Anwendern besonders beliebten Module entwickelt, darunter das AC/DC Module, das Acoustics Module, das Heat Transfer Module und die Material Library.
In dieser Zeit erschien auch die erste Ausgabe von COMSOL News, unserem jährlichen Anwender-orientierten Magazin, das Berichte darüber enthält, wie Ingenieure und Forscher COMSOL Multiphysics® in ihrer täglichen Arbeit einsetzen. Die Publikation beleuchtet, wie die Software bei der Entwicklung von Batterien, Lautsprechern, Luft- und Raumfahrtsystemen, medizinischen Geräten und in vielen anderen Bereichen zum Einsatz kommt.
Darüber hinaus veranstaltete COMSOL im Jahr 2005 eine Konferenz in Cambridge, Massachusetts, sowie in Las Vegas, Nevada. Diese Konferenz bot Mitarbeitern und Anwendern von COMSOL die Gelegenheit, sich persönlich zu treffen und über Modellierungs- und Branchentrends zu sprechen.
2010 bis 2019: Verbesserung der Software und Simulations-Apps
In der nächsten Entwicklungsphase von COMSOL lag der Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung der Software und der Ausweitung der Anwendungsmöglichkeiten der Simulation.
In dieser Zeit haben wir unsere LiveLink™-Produktreihe veröffentlicht, unter anderem LiveLink™ for MATLAB® und LiveLink™ for AutoCAD®, sowie zahlreiche Add-On-Module, darunter das Battery Design Module, das Nonlinear Structural Materials Module und das Semiconductor Module.
Die Software hat in diesem Jahrzehnt erhebliche Veränderungen erfahren, wobei wichtige Neuerungen bis heute Bestand haben. Der Model Builder wurde in Version 4.0 eingeführt und ist der zentrale Workspace für die Erstellung von Simulationsmodellen. In diesem Workspace können Anwender die Geometrie, Materialien, physikalischen Eigenschaften, das Netz, Studien und Ergebnisse mithilfe eines strukturierten, leicht nachvollziehbaren Arbeitsablaufs definieren. Wie die restliche Benutzeroberfläche von COMSOL Multiphysics® hat auch dieser Bereich unabhängig von der jeweiligen technischen Anwendung oder den zu modellierenden physikalischen Phänomenen stets dasselbe Erscheinungsbild und dieselbe Struktur.
Mit Version 4.2 wurde der Physics Builder eingeführt, eine grafische Umgebung, in der Anwender über eine interaktive Benutzeroberfläche Physik-Interfaces erstellen können, ohne Code schreiben zu müssen. Er wird in großem Umfang bei der Entwicklung der Add-On-Module von COMSOL eingesetzt.
Mit Version 5.0 wurde den Anwendern der Application Builder zur Verfügung gestellt, der einen Bereich für die Erstellung und Verwaltung benutzerdefinierter, auf COMSOL-Modellen basierender Simulations-Apps bietet.
Im Jahr 2014 wurde mit Version 5.0.1 COMSOL Server™ eingeführt, wodurch Unternehmen in der Lage sind, von ihren internen Simulationsexperten entwickelte Simulations-Apps bereitzustellen, zu verwalten und auszuführen. Nutzer können die Apps anschließend verwalten und verteilen, den Zugriff darauf steuern und die Apps über einen Webbrowser auf jedem beliebigen Computer ausführen.
Der Model Builder bei seiner ersten Veröffentlichung in Version 4.0 (links) und eine Beispiel-Simulations-App aus Version 5.0 (rechts).
Im Jahr 2018 wurde die COMSOL-Produktpalette außerdem um COMSOL Compiler™ erweitert. Mit diesem Produkt können Anwender ihre Simulations-Apps zu eigenständigen ausführbaren Dateien kompilieren, die mit oder ohne Internetzugang sowie mit oder ohne COMSOL-Lizenzen ausgeführt werden können. Anwender können diese Dateien kostenlos oder gegen eine Gebühr weitergeben.
Im gleichen Zeitraum setzten wir unser Wachstum fort, indem wir weitere Niederlassungen in China und Indien eröffneten. Im Jahr 2013 fand die COMSOL Conference in Boston (Massachusetts), in Bengaluru (Indien) und in Rotterdam (Niederlande) statt.
2020 bis 2026: Demokratisierung der Simulation und Beschleunigung
In den 2020er Jahren wurde die Simulation weiter demokratisiert, wobei der Schwerpunkt auf der Verkürzung der Lösungszeiten für komplexe Modelle lag. Mit Version 6.0 haben wir den Model Manager eingeführt, der es Kollegen ermöglicht, zusammenzuarbeiten und ihre benutzerdefinierten Modelle, Apps, Berichte, Präsentationen und andere Projektressourcen innerhalb von Simulationsprojekten zentral zu organisieren. Mit Version 6.2 wurde ein neues Framework für Ersatzmodelle eingeführt, das es Anwendern ermöglicht, kompakte Modelle zu erstellen, die Simulationsergebnisse in Bruchteilen einer Sekunde rekonstruieren. Diese Ersatzmodelle ermöglichen schnelle Simulations-Apps, beschleunigen die Optimierung und die Unsicherheitsquantifizierung und unterstützen die Entwicklung effektiver digitaler Zwillinge. Diese Version verbesserte zudem die Berechnungsgeschwindigkeit von CFD-Modellen um bis zu 40 %.
In Version 6.3 wurde eine GPU-Beschleunigung eingeführt, die bis zu 25-mal schnellere Akustiksimulationen und ein schnelleres Training von Ersatzmodellen ermöglicht. Mit dieser Version wurde außerdem das Java-Shell-Fenster integriert, eine interaktive Umgebung zur Entwicklung und Anpassung von Modellen mithilfe der COMSOL-API. Ein optionales, KI-basiertes Chatbot-Fenster kann Anwender zudem bei der Java-Programmierung, der Modellentwicklung und vielen anderen Aspekten der Nutzung von COMSOL Multiphysics® unterstützen.
Mit diesen Updates erreichen wir die aktuellste und leistungsstärkste Version unserer Software: 6.4. Diese Version zeichnet sich durch eine deutlich verbesserte Löseleistung aus, die durch den NVIDIA CUDA® Direct Sparse Solver (cuDSS) für NVIDIA-GPUs erzielt wird und sowohl bei Einzelphysik- als auch bei Multiphysik-Simulationen eine um ein Vielfaches höhere Geschwindigkeit erzielt.
Eine 40-fache Beschleunigung bei einer wellenbasierten Raumakustiksimulation, ermöglicht durch NVIDIA cuDSS.
Mit dieser Version haben wir außerdem das Granular Flow Module veröffentlicht, das die Simulation von körnigen Materialien ermöglicht, indem es die Bewegung und Wechselwirkung einzelner Partikel in Schüttgutprozessen modelliert.
Ein mit dem Granular Flow Module erstelltes Modell eines Bandmischers, das mit der Version 6.4 von COMSOL Multiphysics® veröffentlicht wurde.
Auch in diesem Jahr möchten wir weiterhin die Innovationen unserer Anwender würdigen. Vor kurzem haben wir die Ausgabe 2026 der COMSOL News veröffentlicht, in der unter anderem Volvo Trucks, Resolvent, UK Fusion Energy und die Technische Universität Dänemark vorgestellt werden. Darüber hinaus ist die COMSOL Conference nach wie vor ein wichtiger Fixpunkt für uns und die Simulations-Community. Die diesjährige Tour umfasst Stationen in Cambridge, Boston, Tokio, Shenzhen, Bengaluru, Málaga und Taipeh. Die Konferenz präsentiert die Arbeit unserer Anwender anhand von Postern, Vorträgen und Live-Präsentationen, und die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, Vorträge von Branchenführern zu hören und mehr über die Modellierung zu erfahren. (Wenn Sie mehr über die COMSOL Conference 2026 erfahren möchten, klicken Sie hier.)
Darüber hinaus richteten wir 2026 unseren ersten Simulation Summit in Santa Clara, Kalifornien, aus. Diese eintägige Veranstaltung brachte Ingenieure und Wissenschaftler zusammen, um an Fachvorträgen, Keynotes zum Einsatz von Multiphysik-Simulationen in führenden Unternehmen sowie einer Podiumsdiskussion teilzunehmen, bei der Experten die Zukunft von Simulationstools diskutierten.
Die Menschen hinter COMSOL
COMSOL ist mittlerweile auf 16 Niederlassungen weltweit angewachsen. „Unsere Mitarbeiter haben alles aufgebaut“, sagt Littmarck. „Wir haben mehr als 650 Mitarbeiter, und wir brauchen jeden Einzelnen von ihnen. Jeder leistet seinen Beitrag.“
Im Laufe unserer langjährigen Geschichte und des Wachstums unseres Unternehmens ist unsere Vision stets dieselbe geblieben: Wir möchten unseren Anwendern die Werkzeuge an die Hand geben, die sie benötigen, um ihre Designs und Prozesse zu verbessern und ihre Ideen zum Leben zu erwecken.
Im Zeitalter der KI und der modernen Datenverarbeitung sind wir gespannt darauf, was die Zukunft bereithält, wissen aber auch, dass das, was als Nächstes kommt, von den Menschen geprägt wird, die all dies erst möglich machen: unseren Anwendern und Mitarbeitern. „Es waren 40 fantastische Jahre“, sagt Nilsson, „doch wenn ich so darüber nachdenke, steht uns das Beste noch bevor.“

















Kommentare (0)